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Testosteron in der ZEIT: Warum mehr Sichtbarkeit gut ist – und das Framing entscheidend

Testosteron in der ZEIT: Warum mehr Sichtbarkeit gut ist – und das Framing entscheidend

Das Wichtigste in Kürze

Am 10. Juli 2026 hat DIE ZEIT unter dem Titel „Der Traum von der dicken Hose" über Testosteron und die steigende Zahl an Testosterontherapien geschrieben und gefragt: „Warum lassen sich plötzlich so viele Männer Testosteron verschreiben?" [1] Für uns bei Adon Health ist das ein wichtiges Signal: Ein lange tabuisiertes Thema der Männergesundheit erreicht endlich die großen, traditionellen Medien. Unser Gründer und Arzt Dr. Jonathan Apasu durfte seine ärztliche Perspektive einbringen, und der Adon-Health-Ansatz – medizinische Sorgfalt über unabhängige Partnerärzte – wurde korrekt dargestellt.

Und trotzdem wollen wir ehrlich sein: Solche Berichte helfen dem Thema und schaden ihm zugleich. Denn schon der Titel verrät das eigentliche Problem. Testosteron wird sexualisiert, mit Virilität und Potenz gleichgesetzt – und genau dieses Stigma hält Männer davon ab, sich Hilfe zu holen. Dabei geht es um etwas ganz anderes: um Erschöpfung, Antriebslosigkeit, schlechten Schlaf und ein erhöhtes Risiko für ernste Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Worüber die ZEIT geschrieben hat

Der ZEIT-Artikel greift einen realen Trend auf: Immer mehr Männer lassen ihren Testosteronwert bestimmen und sich, wo indiziert, behandeln. Die Zahl der Testosteron-Verordnungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen – teils, weil sich das medizinische Wissen erweitert hat und alte Ängste (etwa vor Prostatakrebs) durch die Forschung entkräftet wurden, teils, weil Symptome wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und Libidoverlust heute eher mit dem Hormonhaushalt in Verbindung gebracht werden [1].

Im Artikel kommt auch ein Patient zu Wort – einer, wie wir ihn zu Tausenden gesehen haben. Genau das ist der Wert solcher Berichterstattung: Sie gibt Betroffenen ein Gesicht und macht deutlich, dass hinter dem Schlagwort echte Menschen mit echtem Leidensdruck stehen.

Unser Statement: gut und kompliziert zugleich

„Testosteron in der ZEIT. Das freut mich, weil es endlich auch in den traditionellen Medien Sichtbarkeit bekommt. Und weil im Artikel ein Patient Gehör bekommt, wie wir ihn schon zu Tausenden gesehen haben."

— Dr. Jonathan Apasu, Arzt und Gründer von Adon Health

Wir sind stolz, dass unsere ärztliche Sicht Teil dieser Debatte sein durfte und dass unser Anspruch an medizinische Glaubwürdigkeit richtig wiedergegeben wurde. Gleichzeitig braucht es die ehrliche Kritik:

„Solche Berichte helfen dem Thema, und schaden ihm gleichzeitig. Titel und Bild funktionieren für Klicks, aber sie unterstreichen genau das Stigma, das wir eigentlich abbauen wollen. Testosteron wird sexualisiert, mit Virilität gleichgesetzt, mit Potenz. Und das macht es Männern schwer, die sich als Konsequenz keine Hilfe holen oder nicht transparent darüber sprechen, weil sie nicht als jemand dastehen wollen, der versucht, ‚eine dicke Hose‘ zu bekommen."

Mehr Sichtbarkeit ist wichtig – aber die Art, wie das Thema gerahmt wird, entscheidet darüber, ob sie hilft oder schadet.

Worum es wirklich geht: die Testosteronmangel-Symptome

Der Blick auf „dicke Hose" und Potenz verstellt die Sicht auf das, was einen Testosteronmangel medizinisch ausmacht. Die typischen Testosteronmangel-Symptome sind unspektakulär – und genau deshalb so tückisch:

  • Anhaltende Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf nicht bessert
  • Nachlassende Motivation und Antriebslosigkeit im Alltag
  • Schlechterer Schlaf und langsamere Regeneration, etwa nach dem Training
  • Gedrückte Stimmung bis hin zu depressiven Verstimmungen
  • Konzentrations- und Leistungsabfall
  • Verminderte Libido sowie Verlust von Muskelmasse und Knochendichte

Es geht also nicht um Männer, die „mehr Mann" sein wollen. Es geht um Männer, die sich schlicht nicht mehr wie sie selbst fühlen – und die dafür oft jahrelang keine Unterstützung bekommen.

Warum das mehr als eine Befindlichkeitsfrage ist

Ein unbehandelter Testosteronmangel ist mit einem erhöhten Risiko für metabolische Erkrankungen verbunden: Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zum Spektrum. Testosteron ist ein sensibler Indikator für Stoffwechsel- und Allgemeingesundheit – ein niedriger Wert kann ein Frühwarnsignal für dahinterliegende Probleme sein. Wer die Symptome allein als „Stress" oder „Alter" abtut, verpasst möglicherweise eine wichtige gesundheitliche Weichenstellung.

Warum das Framing so wichtig ist

Wenn Testosteron über Titel und Bild als Männlichkeits- und Potenzmittel inszeniert wird, passiert zweierlei. Erstens fühlen sich die falschen Männer angesprochen – jene, die eine Leistungssteigerung suchen, nicht eine medizinische Abklärung. Zweitens, und schwerwiegender: Die richtigen Männer ziehen sich zurück. Wer erschöpft ist und Hilfe bräuchte, will nicht in die Ecke dessen gestellt werden, der „eine dicke Hose" bekommen möchte. Das Stigma sorgt dafür, dass viele Betroffene schweigen, keine Diagnostik in Anspruch nehmen und nicht transparent mit Ärztinnen und Ärzten sprechen.

Genau deshalb ist unser Anliegen nicht „mehr Testosteron um jeden Preis", sondern Entstigmatisierung: Testosteronmangel als das behandeln, was er ist – ein medizinisches Thema, das seriöse Diagnostik und ärztliche Begleitung verdient, keine Reduktion auf Virilität.

Wie eine seriöse Abklärung aussieht

Eine verantwortungsvolle Herangehensweise beginnt nicht mit dem Rezept, sondern mit der Messung und dem ärztlichen Gespräch. Sinnvoll ist eine Bestimmung des Gesamttestosterons, idealerweise ergänzt um freies Testosteron und SHBG, weil das gebundene Hormon biologisch nicht wirksam ist. Ein niedriger Wert allein reicht nicht: Es braucht wiederholte, bestätigte Messungen, passende Symptome und den Ausschluss anderer Ursachen. Erst dann ist – gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt – zu entscheiden, ob eine Therapie, Lebensstil-Maßnahmen (Krafttraining, Schlaf, Gewichtsreduktion, Stressmanagement) oder beides der richtige Weg sind.

Bei Adon Health erfolgt dieser Prozess bewusst über unabhängige Partnerärzte – mit medizinischer Glaubwürdigkeit und Sorgfalt, nicht als Lifestyle-Versprechen.

Quellen

 

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Testosteronmangel sollte die Abklärung und ggf. Therapie ärztlich begleitet erfolgen.