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GLP-1-Rezeptoragonisten: Was die neuen Abnehmspritzen für die Männergesundheit bedeuten

Inhaltsverzeichnis

    Kurz & knapp: GLP-1-Rezeptoragonisten – bekannt als „Abnehmspritzen“ wie Semaglutid oder das neuere Tirzepatid – sind ein Meilenstein in der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Für Männer sind sie doppelt interessant: Übergewicht ist eine der häufigsten Ursachen für einen niedrigen Testosteronspiegel. Wer abnimmt, verbessert oft auch seinen Hormonhaushalt. In diesem Beitrag ordnen wir ein, was die Wirkstoffe können – und was sie speziell für die Männergesundheit bedeuten.

    Kaum ein medizinisches Thema wird derzeit so viel diskutiert wie die neuen Abnehmmedikamente. Ozempic, Wegovy, Mounjaro – die Handelsnamen sind in aller Munde. Dahinter steht eine Wirkstoffgruppe, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurde und sich als äußerst wirksam beim Abnehmen erwiesen hat: die GLP-1-Rezeptoragonisten.

    Für uns bei Adon ist dabei ein Aspekt besonders relevant, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht: der Zusammenhang zwischen Körpergewicht, Stoffwechsel und dem männlichen Hormonhaushalt.

    Ein Hinweis vorab: Dieser Beitrag informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und gehören in ärztliche Begleitung.

    Was sind GLP-1-Rezeptoragonisten?

    GLP-1 steht für „Glucagon-like Peptide 1“ – ein körpereigenes Darmhormon, das nach dem Essen ausgeschüttet wird. Es sorgt dafür, dass mehr Insulin freigesetzt wird, der Blutzucker sinkt und ein Sättigungsgefühl entsteht. Zudem verlangsamt es die Magenentleerung, sodass man länger satt bleibt.

    GLP-1-Rezeptoragonisten sind Wirkstoffe, die dieses Hormon nachahmen. Sie docken an dieselben Rezeptoren an und verstärken die Wirkung. Das Ergebnis: weniger Hunger, frühere Sättigung, weniger Kalorienaufnahme – und dadurch Gewichtsverlust.

    Die wichtigsten Vertreter sind:

    • Semaglutid – die erste Generation mit sehr starker Wirkung auf das Gewicht (bekannt als Ozempic zur Diabetesbehandlung und Wegovy zur Gewichtsreduktion).
    • Tirzepatid – eine neuere „zweite Generation“, die zusätzlich am Rezeptor des Hormons GIP ansetzt (dualer Wirkmechanismus, bekannt als Mounjaro). In Studien führte es zu noch stärkerem Gewichtsverlust.

     

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    Wie wirksam sind sie?

    Die Datenlage ist beeindruckend. In der großen STEP-1-Studie verloren Erwachsene mit Adipositas unter wöchentlichem Semaglutid im Schnitt rund 15 % ihres Körpergewichts – deutlich mehr als mit Lebensstiländerung allein (Wilding et al., 2021). Kombiniert mit intensiver Verhaltenstherapie waren die Effekte ähnlich stark (Wadden et al., 2021).

    Tirzepatid legte in der SURMOUNT-1-Studie noch nach: Hier erreichten Teilnehmende in der höchsten Dosis einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von rund 21 % (Jastreboff et al., 2022).

    Und es geht nicht nur um die Zahl auf der Waage: In der SELECT-Studie senkte Semaglutid bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (Lincoff et al., 2023). Das unterstreicht, dass diese Medikamente den Stoffwechsel als Ganzes beeinflussen.

    Wichtig zu wissen: Der Effekt hält nur an, solange das Medikament genommen wird. Nach dem Absetzen nahmen die Teilnehmenden einen Großteil des Gewichts wieder zu (Wilding et al., 2022). Die Behandlung ist also eher als langfristige Therapie zu verstehen – nicht als kurze Kur.

    Der Bezug zur Männergesundheit: Gewicht und Testosteron

    Hier wird es für Männer besonders spannend. Übergewicht – vor allem Bauchfett – ist eng mit einem niedrigen Testosteronspiegel verknüpft. Das hat mehrere Gründe:

    • Im Fettgewebe wandelt das Enzym Aromatase Testosteron in Östrogen um. Je mehr Bauchfett, desto stärker dieser Effekt.
    • Übergewicht fördert Insulinresistenz und das metabolische Syndrom, die die Hormonproduktion zusätzlich dämpfen.
    • Es entsteht ein Teufelskreis: Wenig Testosteron begünstigt Fettaufbau und Muskelabbau – und mehr Fett senkt das Testosteron weiter.

    Mediziner sprechen hier von „funktionellem Hypogonadismus“ – einem Testosteronmangel, der nicht durch einen Hodendefekt, sondern durch den Stoffwechsel bedingt ist. Er ist bei Männern mit Adipositas und Typ-2-Diabetes häufig (Grossmann et al., 2019).

    Die gute Nachricht: Dieser Zusammenhang funktioniert auch andersherum. Gewichtsverlust kann den Testosteronspiegel messbar anheben. Genau hier kommen die GLP-1-Rezeptoragonisten ins Spiel. Eine systematische Übersichtsarbeit fand Hinweise, dass die durch GLP-1-Wirkstoffe erreichte Gewichtsabnahme die Hodenfunktion und den Testosteronspiegel bei Männern verbessern kann (Salvio et al., 2025). Eine kleinere Studie zeigte zudem eine Verbesserung der Spermienqualität bei Männern mit Adipositas und funktionellem Hypogonadismus (Gregorič et al., 2024).

    Auch für die sexuelle Funktion gibt es vorsichtig optimistische Signale: Weil GLP-1-Wirkstoffe Gewicht, Blutzucker und Gefäßgesundheit verbessern, könnten sie sich indirekt günstig auf die Erektionsfähigkeit auswirken – die Datenlage ist hier aber noch nicht abschließend (Kounatidis et al., 2025).

    Nebenwirkungen und Grenzen

    GLP-1-Rezeptoragonisten sind gut untersucht, aber nicht nebenwirkungsfrei. Am häufigsten sind Magen-Darm-Beschwerden:

    • Übelkeit (besonders zu Beginn)
    • Durchfall oder Verstopfung
    • Völlegefühl und Aufstoßen

    Diese Beschwerden lassen meist nach, wenn sich der Körper an die langsam gesteigerte Dosis gewöhnt. Seltener sind ernstere Nebenwirkungen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Bei schnellem Gewichtsverlust geht neben Fett auch Muskelmasse verloren. Gerade für Männer ist es deshalb sinnvoll, die Behandlung mit Krafttraining und ausreichend Protein zu begleiten, um die Muskelmasse zu schützen.

    Kein Ersatz für die Ursachenabklärung

    So wirksam diese Medikamente sind – sie ersetzen nicht die genaue Abklärung, warum jemand zunimmt oder einen niedrigen Testosteronspiegel hat. Manchmal steckt hinter Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Libidoverlust tatsächlich ein hormonelles Problem, das eigenständig behandelt werden sollte. Wie Du Deinen Hormonhaushalt regulieren kannst und welche Rolle Medikamente dabei spielen, liest Du im Beitrag Testosteron unter Therapie.

    🎧 Zum Reinhören: In unserem Podcast Männergesundheit ordnet Alexander Friedrich in der Folge Fett-weg-Spritze Ozempic – Parallelen zur TRT die Abnehmspritzen aus Sicht der Männergesundheit ein. Passend dazu spricht Prof. Dr. Farid Saad in Wie Testosteron deinen Stoffwechsel verändert über die andere Richtung dieses Zusammenhangs.

    Fazit

    GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid sind ein echter Durchbruch bei der Behandlung von Adipositas – mit nachgewiesenem Nutzen für Gewicht, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Für Männer sind sie zusätzlich interessant, weil Gewichtsverlust einen durch Übergewicht bedingten Testosteronmangel deutlich verbessern kann. Sie sind aber kein Wundermittel: Der Effekt hält nur bei fortgesetzter Einnahme an, Muskelerhalt und Ursachenabklärung bleiben wichtig, und der Einsatz gehört in ärztliche Hände. Am wirksamsten sind sie als Teil eines Gesamtkonzepts aus Ernährung, Bewegung und – wo nötig – gezielter hormoneller Behandlung.

     

    FAQs

    Sources

    Gregorič, N., Šikonja, J., Janež, A., & Jensterle, M. (2024). Semaglutide improved sperm morphology in obese men with type 2 diabetes mellitus and functional hypogonadism. Diabetes, Obesity & Metabolism, 27(2), 519–528. https://doi.org/10.1111/dom.16042

    Grossmann, M., Ng Tang Fui, M., & Cheung, A. S. (2019). Late-onset hypogonadism: Metabolic impact. Andrology, 7(5), 611–618. https://doi.org/10.1111/andr.12705

    Jastreboff, A. M., Aronne, L. J., Ahmad, N. N., Wharton, S., Connery, L., Alves, B., Kiyosue, A., Zhang, S., Liu, B., Bunck, M. C., & Stefanski, A. (2022). Tirzepatide once weekly for the treatment of obesity. The New England Journal of Medicine, 387(3), 205–216. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2206038

    Kounatidis, D., Vallianou, N. G., Rebelos, E., Vallianou, K., Diakoumopoulou, E., & Makrilakis, K. (2025). The impact of glucagon-like peptide-1 receptor agonists on erectile function: Friend or foe? Biomolecules, 15(9), 1284. https://doi.org/10.3390/biom15091284

    Lincoff, A. M., Brown-Frandsen, K., Colhoun, H. M., Deanfield, J., Emerson, S. S., Esbjerg, S., Hardt-Lindberg, S., Hovingh, G. K., Kahn, S. E., Kushner, R. F., Lingvay, I., Oral, T. K., Michelsen, M. M., Plutzky, J., Tornøe, C. W., & Ryan, D. H. (2023). Semaglutide and cardiovascular outcomes in obesity without diabetes. The New England Journal of Medicine, 389(24), 2221–2232. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2307563

    Salvio, G., Ciarloni, A., Ambo, N., Bordoni, M., Perrone, M., Rossi, S., & Balercia, G. (2025). Effects of glucagon-like peptide 1 receptor agonists on testicular dysfunction: A systematic review and meta-analysis. Andrology, 13(8), 2022–2034. https://doi.org/10.1111/andr.70022

    Wadden, T. A., Bailey, T. S., Billings, L. K., Davies, M., Frias, J. P., Koroleva, A., Lingvay, I., O’Neil, P. M., Rubino, D. M., Skovgaard, D., Wallenstein, S. O. R., & Garvey, W. T. (2021). Effect of subcutaneous semaglutide vs placebo as an adjunct to intensive behavioral therapy on body weight in adults with overweight or obesity: The STEP 3 randomized clinical trial. JAMA, 325(14), 1403–1413. https://doi.org/10.1001/jama.2021.1831

    Wilding, J. P. H., Batterham, R. L., Calanna, S., Davies, M., Van Gaal, L. F., Lingvay, I., McGowan, B. M., Rosenstock, J., Tran, M. T. D., Wadden, T. A., Wharton, S., Yokote, K., Zeuthen, N., & Kushner, R. F. (2021). Once-weekly semaglutide in adults with overweight or obesity. The New England Journal of Medicine, 384(11), 989–1002. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2032183

    Wilding, J. P. H., Batterham, R. L., Davies, M., Van Gaal, L. F., Kandler, K., Konakli, K., Lingvay, I., McGowan, B. M., Oral, T. K., Rosenstock, J., Wadden, T. A., Wharton, S., Yokote, K., & Kushner, R. F. (2022). Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide: The STEP 1 trial extension. Diabetes, Obesity & Metabolism, 24(8), 1553–1564. https://doi.org/10.1111/dom.14725