Sildenafil – Adon Health Zum Inhalt springen
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Sildenafil

Kurz & knapp: Sildenafil ist der Wirkstoff hinter der bekannten „blauen Pille“ Viagra und der Klassiker unter den Mitteln gegen Erektionsstörungen. Als PDE-5-Hemmer verbessert er die Durchblutung des Penis – aber nur bei sexueller Erregung. In diesem Beitrag erfährst Du, wie Sildenafil wirkt, wie es angewendet wird und was Du zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wissen musst.

Als Sildenafil Ende der 1990er-Jahre auf den Markt kam, veränderte es die Behandlung von Erektionsstörungen grundlegend. Zum ersten Mal gab es eine einfach einzunehmende Tablette, die gut wirkte und gut untersucht war. Bis heute ist Sildenafil einer der weltweit am häufigsten verordneten Wirkstoffe bei erektiler Dysfunktion.

Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Sildenafil ist verschreibungspflichtig, und ob es für Dich geeignet ist, sollte immer ärztlich geprüft werden.

Was ist Sildenafil?

Sildenafil gehört – wie Tadalafil und Vardenafil – zur Gruppe der Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer). Bekannt wurde es unter dem Handelsnamen Viagra. Seit dem Auslaufen des Patentschutzes gibt es zahlreiche Generika, die denselben Wirkstoff enthalten.

Interessant: Ursprünglich wurde Sildenafil für die Behandlung von Angina pectoris – also Brustschmerzen bei Herzerkrankungen – entwickelt. In den Studien zeigte sich dann die deutliche Wirkung auf die Erektion, was zur heutigen Hauptanwendung führte (Francis & Corbin, 2005; Ala et al., 2020).

Heute wird Sildenafil vor allem eingesetzt bei:

  • Erektiler Dysfunktion unterschiedlicher Ursache
  • Pulmonaler arterieller Hypertonie (einer Form von Lungenhochdruck, unter anderem Handelsnamen)

Wie wirkt Sildenafil?

Um die Wirkung zu verstehen, hilft ein Blick darauf, wie eine Erektion entsteht. Bei sexueller Erregung wird im Schwellkörpergewebe des Penis der Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. Über die Zwischenstufe cGMP entspannt sich die glatte Muskulatur, die Gefäße weiten sich, und Blut strömt in die Schwellkörper – eine Erektion entsteht.

Das Enzym Phosphodiesterase-5 baut cGMP wieder ab und beendet diesen Vorgang. Sildenafil blockiert dieses Enzym. Dadurch bleibt mehr cGMP erhalten, die gefäßerweiternde Wirkung hält länger an, und die Erektion fällt leichter (Francis & Corbin, 2005).

Auch hier gilt der entscheidende Punkt: Sildenafil wirkt nur bei sexueller Stimulation. Es erzeugt keine Erektion „auf Knopfdruck“ und steigert weder Libido noch Erregung. Ohne sexuellen Reiz bleibt die Wirkung aus.

Anwendung: Timing ist wichtig

Sildenafil wird bedarfsweise eingenommen, in der Regel etwa 30 bis 60 Minuten vor der geplanten sexuellen Aktivität. Die Wirkung hält meist rund 4 bis 6 Stunden an. Anders als das länger wirksame Tadalafil verlangt Sildenafil also etwas mehr Planung.

Ein wichtiger Praxis-Tipp: Eine sehr fettreiche Mahlzeit kurz vor der Einnahme kann den Wirkeintritt verzögern, weil der Wirkstoff langsamer aufgenommen wird. Auf leeren oder nur leicht gefüllten Magen wirkt Sildenafil in der Regel zuverlässiger.

Eine Vergleichsstudie zwischen Sildenafil und Tadalafil zeigte, dass beide Wirkstoffe ähnlich wirksam und sicher sind. Welcher besser passt, hängt vor allem von den persönlichen Vorlieben ab – etwa ob man Sexualität lieber plant oder mehr Spontaneität möchte (Gong et al., 2017).

Wie sicher ist Sildenafil?

Sildenafil ist seit über zwei Jahrzehnten im Einsatz und einer der am besten untersuchten Wirkstoffe seiner Art. Bei korrekter Anwendung gilt es als sicher. Häufige, meist milde Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Gesichtsrötung (Flush)
  • verstopfte Nase
  • Verdauungsbeschwerden
  • vorübergehende Sehveränderungen (etwa ein leichter Blaustich im Sehen)

Diese Beschwerden klingen in der Regel von selbst wieder ab.

Wichtige Gegenanzeigen

Entscheidend für die Sicherheit: Sildenafil darf niemals gemeinsam mit Nitraten eingenommen werden, wie sie bei Herzerkrankungen (z. B. Angina pectoris) verordnet werden. Die Kombination kann zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen. Auch bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr niedrigem Blutdruck oder nach einem kürzlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall ist Vorsicht geboten (Conti et al., 1999). Deshalb ist die ärztliche Abklärung vor der ersten Einnahme unverzichtbar.

Mehr als nur ein Symptom

Gerade weil Erektionsstörungen und Herz-Kreislauf-Gesundheit so eng zusammenhängen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Ursachen. Die feinen Gefäße im Penis reagieren empfindlich auf Atherosklerose, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Eine Erektionsstörung kann deshalb ein frühes Warnsignal sein – lange bevor sich Probleme am Herzen zeigen.

Sildenafil lindert das Symptom zuverlässig, ersetzt aber nicht die Abklärung möglicher Grundursachen. Auch ein niedriger Testosteronspiegel kann die sexuelle Funktion beeinträchtigen. Mehr dazu findest Du in unseren Beiträgen Potenz, Libido, Testosteron und Erektile Dysfunktion: Kopfsache oder ein Gesundheitswarnzeichen?.

Zum Reinhören: In der Podcast-Folge Erektionsstörungen, Libido & Testosteron mit PD Dr. Marco Randazzo aus unserem Podcast Männergesundheit geht es genau um diese Zusammenhänge.

Fazit

Sildenafil ist der bewährte Klassiker gegen Erektionsstörungen: gut wirksam, gut untersucht und bei richtiger Anwendung sicher. Wer mehr Spontaneität möchte, findet in Tadalafil eine länger wirksame Alternative. In jedem Fall gilt: Sildenafil ist verschreibungspflichtig, kann ernste Wechselwirkungen haben und sollte immer im Rahmen einer ärztlichen Behandlung eingesetzt werden – idealerweise verbunden mit einer Abklärung der zugrunde liegenden Ursachen.

 

FAQ

Wie schnell wirkt Sildenafil?

In der Regel setzt die Wirkung nach 30 bis 60 Minuten ein und hält etwa 4 bis 6 Stunden an. Eine fettreiche Mahlzeit kann den Wirkeintritt verzögern.

Was ist der Unterschied zwischen Sildenafil und Viagra?

Keiner im Wirkstoff: Viagra ist der ursprüngliche Handelsname, Sildenafil der Name des Wirkstoffs. Generika enthalten denselben Wirkstoff, sind aber meist günstiger.

Wirkt Sildenafil ohne sexuelle Erregung?

Nein. Sildenafil unterstützt nur die natürliche Erektionsreaktion bei sexueller Stimulation. Ohne Erregung entsteht keine Erektion.

Ist Sildenafil für jeden geeignet?

Nein. Vor allem bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei der Einnahme von Nitraten darf Sildenafil nicht verwendet werden. Deshalb ist eine ärztliche Prüfung vor der Behandlung wichtig.

 

Quellen

Ala, M., Mohammad Jafari, R., & Dehpour, A. R. (2020). Sildenafil beyond erectile dysfunction and pulmonary arterial hypertension: Thinking about new indications. Fundamental & Clinical Pharmacology, 35(2), 235–259. https://doi.org/10.1111/fcp.12633

Conti, C. R., Pepine, C. J., & Sweeney, M. (1999). Efficacy and safety of sildenafil citrate in the treatment of erectile dysfunction in patients with ischemic heart disease. The American Journal of Cardiology, 83(5A), 29C–34C. https://doi.org/10.1016/s0002-9149(99)00045-4

Francis, S. H., & Corbin, J. D. (2005). Sildenafil: Efficacy, safety, tolerability and mechanism of action in treating erectile dysfunction. Expert Opinion on Drug Metabolism & Toxicology, 1(2), 283–293. https://doi.org/10.1517/17425255.1.2.283

Gong, B., Ma, M., Xie, W., Yang, X., Huang, Y., Sun, T., Luo, Y., & Huang, J. (2017). Direct comparison of tadalafil with sildenafil for the treatment of erectile dysfunction: A systematic review and meta-analysis. International Urology and Nephrology, 49(10), 1731–1740. https://doi.org/10.1007/s11255-017-1644-5