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Tadalafil

Kurz & knapp: Tadalafil ist ein sogenannter PDE-5-Hemmer und einer der am besten untersuchten Wirkstoffe gegen Erektionsstörungen. Sein Markenzeichen ist die lange Wirkdauer von bis zu 36 Stunden – und die Möglichkeit, ihn niedrig dosiert täglich einzunehmen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Tadalafil wirkt, wann es sinnvoll ist und was Du zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wissen solltest.

Erektionsstörungen sind kein Randthema. Sie betreffen einen großen Teil der Männer im Laufe ihres Lebens – und werden mit dem Alter häufiger. Trotzdem sprechen viele nicht darüber, obwohl es heute gut wirksame und sichere Behandlungen gibt. Einer der zentralen Wirkstoffe ist Tadalafil.

Wichtig vorweg: Dieser Beitrag ersetzt kein ärztliches Gespräch. Tadalafil ist verschreibungspflichtig, und ob es für Dich geeignet ist, hängt von Deiner Gesundheit, Deinen Vorerkrankungen und Deinen weiteren Medikamenten ab.

Was ist Tadalafil?

Tadalafil gehört zur Gruppe der Phosphodiesterase-5-Hemmer (kurz PDE-5-Hemmer). Zur selben Wirkstoffklasse zählen auch Sildenafil (bekannt als Viagra) und Vardenafil. Bekannt wurde Tadalafil unter dem Handelsnamen Cialis; heute gibt es zahlreiche Generika.

Der Wirkstoff wird vor allem eingesetzt bei:

  • Erektiler Dysfunktion – also Erektionsstörungen unterschiedlicher Ursache
  • Beschwerden beim Wasserlassen infolge einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH)
  • Pulmonaler arterieller Hypertonie, einer Form von Lungenhochdruck (unter anderem Handelsname)

Wie wirkt Tadalafil im Körper?

Eine Erektion ist im Kern ein Durchblutungsvorgang. Bei sexueller Erregung wird im Penisgewebe der Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. Dieser führt über mehrere Zwischenschritte dazu, dass sich die glatte Muskulatur in den Schwellkörpern entspannt und mehr Blut einströmen kann.

Ein Enzym namens Phosphodiesterase-5 baut diese Reaktion normalerweise wieder ab. Genau hier setzt Tadalafil an: Es hemmt PDE-5, sodass die gefäßerweiternde Wirkung länger anhält und eine Erektion leichter zustande kommt und gehalten werden kann.

Entscheidend ist: Tadalafil wirkt nur bei sexueller Erregung. Es ist kein „Lustverstärker“ und ersetzt weder Erregung noch Libido. Fehlt der sexuelle Reiz, passiert nichts.

Derselbe Mechanismus erklärt auch die Wirkung bei Prostatabeschwerden: PDE-5 kommt auch in der Muskulatur von Blase, Prostata und den versorgenden Blutgefäßen vor. Wird das Enzym gehemmt, entspannt sich dieses Gewebe, was die Symptome beim Wasserlassen lindern kann (Yokoyama et al., 2015; Calogero et al., 2018).

Der große Unterschied: die Wirkdauer

Tadalafil unterscheidet sich von anderen PDE-5-Hemmern vor allem durch seine lange Halbwertszeit. Während Sildenafil meist 4 bis 6 Stunden wirkt, kann Tadalafil bis zu 36 Stunden wirksam sein. In der Umgangssprache trägt es deshalb den Beinamen „Wochenendpille“.

Daraus ergeben sich in der Praxis zwei Anwendungsformen:

Bedarfsweise Einnahme

Eine höhere Dosis wird vor der geplanten sexuellen Aktivität eingenommen. Durch die lange Wirkdauer entfällt der Druck, den „richtigen Moment“ genau timen zu müssen – Sexualität kann spontaner erlebt werden.

Tägliche Einnahme (niedrig dosiert)

Eine kleine Dosis wird einmal täglich eingenommen. So besteht ein durchgehender Wirkspiegel, und eine Erektion ist jederzeit bei Erregung möglich. Diese Variante wird häufig gewählt, wenn zusätzlich Prostatabeschwerden vorliegen, da sie beide Probleme gleichzeitig adressiert (Yokoyama et al., 2015).

Eine große Übersichtsarbeit, die Tadalafil und Sildenafil direkt verglich, kam zu dem Ergebnis, dass beide Wirkstoffe ähnlich wirksam sind – Tadalafil aber von vielen Männern wegen der Flexibilität und der geringeren Abhängigkeit vom Timing bevorzugt wird (Gong et al., 2017).

Wie sicher ist Tadalafil?

Tadalafil gilt als gut untersucht und bei korrekter Anwendung als sicher. Wie jedes Medikament kann es Nebenwirkungen haben. Am häufigsten sind:

  • Kopfschmerzen
  • Gesichtsrötung (Flush)
  • verstopfte Nase
  • Verdauungsbeschwerden
  • Rücken- oder Muskelschmerzen (typischer für Tadalafil als für andere PDE-5-Hemmer)

Diese Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Ernsthaftere Reaktionen sind selten.

Wann Tadalafil nicht eingenommen werden darf

Besonders wichtig: Tadalafil darf niemals zusammen mit Nitraten (etwa bei Angina pectoris) oder bestimmten Blutdruckmedikamenten aus der Gruppe der Alpha-Blocker in unkontrollierter Kombination eingenommen werden. Beides kann den Blutdruck gefährlich absenken. Auch bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Vorsicht geboten. Deshalb gehört vor jeder Behandlung eine ärztliche Abklärung dazu.

Erektionsstörungen als Warnsignal ernst nehmen

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Eine Erektionsstörung kann ein frühes Warnzeichen für Gefäßprobleme sein. Weil die Blutgefäße im Penis vergleichsweise klein sind, machen sich Atherosklerose, Bluthochdruck oder ein gestörter Stoffwechsel dort häufig früher bemerkbar als am Herzen.

Tadalafil behandelt deshalb das Symptom – nicht immer die Ursache. Genauso wichtig ist es, mögliche Grunderkrankungen abzuklären. Manchmal steckt auch ein Testosteronmangel dahinter, der die sexuelle Funktion beeinflusst. Mehr dazu liest Du in unserem Beitrag Potenz, Libido, Testosteron und in Erektile Dysfunktion: Kopfsache oder ein Gesundheitswarnzeichen?.

Zum Reinhören: In unserem Podcast Männergesundheit spricht PD Dr. Marco Randazzo in der Folge Erektionsstörungen, Libido & Testosteron darüber, wie eng diese Themen zusammenhängen.

Fazit

Tadalafil ist ein bewährter, gut verträglicher Wirkstoff gegen Erektionsstörungen – mit dem besonderen Vorteil einer langen Wirkdauer und der Option zur täglichen Einnahme. Bei gleichzeitigen Prostatabeschwerden kann er doppelt nützlich sein. Weil er aber verschreibungspflichtig ist und ernsthafte Wechselwirkungen bestehen, gehört der Einsatz in ärztliche Hände. Und: Eine Erektionsstörung ist immer auch ein Anlass, die eigene Gefäß- und Hormongesundheit einmal gründlich prüfen zu lassen.

 

FAQ

Wie schnell wirkt Tadalafil?

Bei bedarfsweiser Einnahme setzt die Wirkung meist nach etwa 30 bis 60 Minuten ein und kann bis zu 36 Stunden anhalten. Bei täglicher niedrig dosierter Einnahme besteht ein durchgehender Wirkspiegel.

Macht Tadalafil abhängig?

Nein. Tadalafil macht körperlich nicht abhängig. Manche Männer entwickeln allerdings eine psychische Unsicherheit („funktioniert es auch ohne?“) – hier hilft ein offenes ärztliches Gespräch.

Wirkt Tadalafil auch ohne Erregung?

Nein. Der Wirkstoff unterstützt nur die natürliche Erektionsreaktion bei sexueller Stimulation. Ohne Erregung entsteht keine Erektion.

Ist Tadalafil dasselbe wie Viagra?

Nein. Viagra ist der Handelsname für den Wirkstoff Sildenafil. Tadalafil (bekannt als Cialis) gehört zur selben Wirkstoffklasse, wirkt aber deutlich länger.

 

Sources

Calogero, A. E., Burgio, G., Condorelli, R. A., Cannarella, R., & La Vignera, S. (2018). Treatment of lower urinary tract symptoms/benign prostatic hyperplasia and erectile dysfunction. The Aging Male, 21(4), 272–280. https://doi.org/10.1080/13685538.2018.1432586

Gong, B., Ma, M., Xie, W., Yang, X., Huang, Y., Sun, T., Luo, Y., & Huang, J. (2017). Direct comparison of tadalafil with sildenafil for the treatment of erectile dysfunction: A systematic review and meta-analysis. International Urology and Nephrology, 49(10), 1731–1740. https://doi.org/10.1007/s11255-017-1644-5

Yokoyama, O., Igawa, Y., Takeda, M., Yamaguchi, T., Murakami, M., & Viktrup, L. (2015). Tadalafil for lower urinary tract symptoms secondary to benign prostatic hyperplasia: A review of clinical data in Asian men and an update on the mechanism of action. Therapeutic Advances in Urology, 7(5), 249–264. https://doi.org/10.1177/1756287215589238